Die Hochschulen

Am NRW.BANK.Kunstpreis nehmen die vier staatlichen Kunsthochschulen in NRW teil.
Wir haben die verantwortlichen Professor*innen Folgendes gefragt: 

Kunstakademie Düsseldorf

Karl-Heinz Petzinka

© Kunstakademie Düsseldorf

   

    

Karl-Heinz Petzinka

  • seit 2008 Professur an der Kunstakademie Düsseldorf, Klasse „Baukunst“
  • seit 2017 Rektor der Kunstakademie Düsseldorf

Karl-Heinz Petzinka, wie haben sich Studium und Lehre, vielleicht gar die Kunst selbst, durch Pandemie, Lockdown und Wirtschaftskrise verändert?

Als Institution der Kunst ist die Kunstakademie autonom. Die Gesellschaft und die Wirtschaft tangieren mit ihren Fragestellungen und Anforderungen die Kunst erst einmal nicht. Natürlich kann die Pandemie als Ereignis Auswirkungen auf den Einzelnen und auf sein Werk haben, die Kunst als solche bleibt jedoch frei und unabhängig. Als Institution sind wir von der Pandemie natürlich betroffen und mussten die Akademie schließen. Unsere aus verschiedenen Staaten stammenden  Professor*innen konnten aufgrund der Pandemie nicht aus ihren jeweiligen Heimatländern anreisen bzw. nicht nach Deutschland einreisen. Dennoch haben die Professor*innen Möglichkeiten gefunden, mit ihren Studierenden auch unter den strengen Auflagen im Kontakt zu bleiben. Die wissenschaftliche Lehre in dem Bereich „Fachbezogene Wissenschaft“ wurde zügig auf digitale Formate umgestellt. Im Studiengang „Freie Kunst“ braucht die Lehre und Vermittlung bei den Studierenden jedoch viel stärker ein direktes, persönliches Gegenüber. Die Akademie versucht gemäß den Gegebenheiten, die ihr zur Verfügung stehen, und unter Einhaltung der Hygiene-Regeln, Voraussetzungen zu schaffen, den Studierenden im Semester einen Austausch mit ihren Kommiliton*innen sowie ihren Professor*innen zu ermöglichen. Hier wurden im engen Austausch mit den Professor*innen, den Studierenden und der Verwaltung Konzepte entwickelt, die bis heute Anwendung finden. So konnten unter Einhaltung der Auflagen interne Formate gefunden werden: Es wurden Einzelgespräche zwischen Studierenden und Lehrenden geführt, Video-Kolloquien abgehalten und Sachverhalte in WhatsApp-Gruppen diskutiert. Hier hat die Pandemie die Kunstakademie Düsseldorf vor neue Herausforderungen gestellt, auf die diese flexibel reagiert hat.

 

Ab dem 15. Juli 2020 war die Akademie die erste Kunsthochschule, die unter strengen Bestimmungen wieder öffnete, sodass ihre diesjährigen Absolvent*innen ihr Studium mit einem Abschluss beenden und alle Studierenden ihr Studium wieder aufnehmen konnten. Die Zukunft wird gewiss erneut zeigen, dass die Akademie mit ihrer Historie, ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Eigenständigkeit im Sinne ihrer ganz besonderen Sicht auf Kunst und Gesellschaft einen eigenen Weg aufzeigen wird. Dieser wird – wie schon so oft in der langjährigen Geschichte der Akademie – ein avantgardistischer und zukunftsweisender Weg sein. Wie die Kunst diese Zeit reflektiert, wird man in der ein oder anderen aktuellen Arbeit eines Künstlers oder einer Künstlerin direkt oder indirekt sehen können. Auswirkungen wird die Pandemie sicher für alle haben.

Kunstakademie Düsseldorf — ein Überblick

Kunstakademie Düsseldorf

© Kunstakademie Düsseldorf

Die Düsseldorfer Akademie wurde 1773 durch den Kurfürsten Carl Theodor als Kurfürstlich-Pfälzische Akademie für Maler, Bildhauer und Baukunst gegründet. Im Jahr 1875 begann der Bau der Kunstakademie am jetzigen Standort. Der Baumeister des neuen Akademiekomplexes war Hermann Riffart, der das architektonische Erscheinungsbild der Kunstakademie bis heute prägt.

An der Kunstakademie Düsseldorf werden der Studiengang Freie Kunst und der Lehramtsstudiengang (Gymnasien und Gesamtschulen) für das Unterrichtsfach Kunst angeboten. Das künstlerische Studium in beiden Studiengängen vollzieht sich in Klassen unter der Leitung einer Künstlerprofessorin oder eines Künstlerprofessors für die folgenden Bereiche: Malerei, Grafik, Bildhauerei, Baukunst (Architektur), Bühnenbild, Fotografie, Entwerfen, Schrift, Buchkunst, Didaktik der Bildenden Künste, Kunstgeschichte, Philosophie, Pädagogik, Soziologie, Poetik und künstlerische Ästhetik, Kunst und Öffentlichkeit sowie Architektur-Theorie und Architektur-Geschichte. Dabei setzt die Kunstakademie auf künstlerische Qualität, Vielfalt und Internationalität. In der Regel studieren zwischen 550 und 650 Studierende aus 43 Nationen im Semester an der Akademie. Im Sommersemester 2020 waren knapp 600 Studierende, davon 170 aus dem Ausland stammende, zum Studium zugelassen.

Folkwang Universität der Künste Essen

Elke Seeger

© Max Greve

   

 

Elke Seeger

  • seit 2007 Professorin für Fotografie und Konzeption an der Folkwang Universität der Künste
  • seit 2017 Prorektorin für Studium und Lehre

Elke Seeger, wie haben sich Studium und Lehre, vielleicht gar die Kunst selbst, durch Pandemie, Lockdown und Wirtschaftskrise verändert?

 

Covid-19 hat die Folkwang Universität der Künste vor große Herausforderungen gestellt. Obwohl die digitale Ausstattung vieler Bereiche auf einem sehr guten Stand ist, musste die gesamte Hochschule in kürzester Zeit zusätzliche digitale Lehrformen bereitstellen. Studierende durften die Universitätsgebäude über Monate hinweg nur in Ausnahmefällen betreten. Werkstätten, Übungsräume, Bibliotheken konnten nur eingeschränkt genutzt werden.

 

Studierende der Folkwang Universität der Künste kommen zu großen Teilen aus der ganzen Welt nach Essen. Viele Studierende konnten aufgrund der Pandemie nicht aus ihren Heimatländern an die Hochschule zurückkehren. Auch sind viele Studierende in eine finanzielle Krise gestürzt, was wir an unserer Hochschule aber bisher durch drei Hilfsfonds teilweise auffangen können. Alle öffentlichen Veranstaltungen, die in vielen Bereichen integraler Bestandteil der Ausbildung sind, müssen bis heute abgesagt bleiben.

 

Der plötzliche Wegfall eines regulären Hochschulbetriebs in Präsenz hat deutlich gemacht, wie essenziell Kultur und Kunst und die dazugehörige Ausstellungs- und Aufführungspraxis für die Hochschule und für die Öffentlichkeit sind. Einige wenige Aktivitäten konnten wir im öffentlichen Raum unter der Einhaltung der strengen Hygieneauflagen stattfinden lassen. Hierzu zählte eine installative Ausstellung auf dem Areal des UNESCO-Welterbes Zollverein (A List of Distractions), die großen Zuspruch erfuhr. Sie zeigte neben weiteren hybriden Formaten, wie wichtig der direkte, persönliche Austausch im Bereich der Kunst und ihrer Zeigeformen in Studium und Lehre ist.

 

Die durch die Pandemie zwangsweise in den Vordergrund gerückten digitalen Lehr- und Lernformate sind in kürzester Zeit weiter ausgebaut und verstärkt worden. Zurzeit suchen wir nach neuen Formaten und experimentieren mit Möglichkeiten, die abseits der klassischen Vorlesungen Entwicklungspotenzial haben könnten. Die Corona-Krise hat uns gezeigt, dass wir im Bereich der algorithmischen Kulturen in Kunst, Gestaltung und Wissenschaft neuartige Impulse setzen können. 

Folkwang Universität der Künste Essen – ein Überblick

Die Folkwang Universität der Künste ist die erste Hochschulgründung des Ruhrgebiets. 1927 als „Folkwangschule für Musik, Tanz und Sprechen“ gegründet, vereinte sie bereits damals alle darstellenden Künste unter einem Dach. Die 1911 gegründete Handwerker- und Kunstgewerbeschule wurde gleichzeitig in „Folkwangschule für Gestaltung“ umbenannt. Zunächst in räumlicher Nachbarschaft zum Museum Folkwang gelegen, zogen die beiden Schulen nach Ende des Zweiten Weltkriegs in die ehemalige Benediktinerabtei in Werden. Die „Folkwangschule für Gestaltung“ wurde 1948 als „Folkwang Werkkunstschule“ wiedereröffnet. Das von Werner Glasenapp entwickelte Studienprogramm mit Fokussierung auf das Experiment im Bildungsprozess ist noch heute ein wichtiger Baustein (oder Aspekt) für die Ausbildung im Fachbereich Gestaltung der Folkwang Universität der Künste.

 

Bis in die 1970er Jahre lernten Fotograf*innen, Bildhauer*innen, Grafiker*innen und Werkkünstler*innen unter einem gemeinsamen Dach mit Musiker*innen, Tänzer*innen und Schauspieler*innen in der Benediktinerabtei Werden. 1972 wurde der Fachbereich Kunst und Design in die Universität-Gesamthochschule Essen integriert, die 2003 mit der Mercator-Universität Duisburg zur Universität Duisburg-Essen fusionierte. 2007 wurden die Gestaltungsstudiengänge wieder offizieller Teil der Folkwang Universität der Künste mit den drei Studiengängen Fotografie, Kommunikationsdesign und Industrial Design.

 

Seit 2010 ist der Fachbereich Gestaltung auf dem Areal des UNESCO-Welterbes Zollverein angesiedelt – zunächst mit der Nutzung des SANAA-Gebäudes für Lehre und Forschung, ab 2017 mit dem Neubau „Quartier Nord“ für den gesamten Fachbereich Gestaltung.

Folkwang Universität der Künste Essen

© Folkwang Universität der Künste Essen

Die Folkwang Universität der Künste ist seit vielen Jahren als international ausgerichtete Hochschule für Lehre und Forschung im Bereich der Fotografie bekannt. Seit ihrem Gründungsjahr 1929 haben namhafte Dozierende, darunter Otto Steinert, Werner Graeff, Albert Renger-Patzsch und Max Burchartz, für die Entwicklung der künstlerisch-praktischen Ausbildung eine prägende Rolle gespielt und für eine internationale Wahrnehmung Sorge getragen.

Heute studieren in den Bachelor- und Masterstudiengängen über 150 Studierende, die in einem kompetitiven Verfahren ausgewählt werden und aus allen Teilen der Welt nach Essen kommen.

 

Die Folkwang Universität der Künste sichert hinsichtlich ihrer technischen Ausstattung ein hohes Maß an Professionalität. Der Werkstattbereich umfasst alle analogen und digitalen Bildmedien sowie alle Produktionsschritte bis hin zu Ausbelichtungen auf professionellen Ausgabemedien. Zwei Blitzlichtstudios und ein Tageslichtstudio ergänzen gemeinsam mit analogen und digitalen Kameras die fotografische Ausstattung. Fotografien werden ausstellungsfertig erstellt.

 

Der Studiengang Fotografie ist künstlerisch ausgerichtet und umfasst sechs Lehrende, und zwar sowohl im Bereich der künstlerisch-praktischen Lehre, die sich bis zum Film erweitert, als auch in der theoretisch-wissenschaftlichen Lehre. Beide Studienbereiche sind eng miteinander verzahnt und münden in ein Ausbildungstandem. Junge, angehende Künstler*innen und Wissenschaftler*innen arbeiten in den beiden Master-Programmen eng zusammen. Ermöglicht wird dadurch nicht allein punktuell, sondern vielmehr fortlaufend eine intensive Interaktion zwischen Praxis und Theorie, zwischen Gestaltung und Reflexion. Wissenschaftler*innen und Künstler*innen arbeiten miteinander und bestimmen auf diese Weise den Studienalltag an der Folkwang Universität der Künste.

Kunsthochschule für Medien Köln

Mischa Kuball

© Daniel Biskup, Wittenberg

    

     

Mischa Kuball

  • seit 2007 Professor für Public Art an der Kunsthochschule für Medien, Köln
  • assoziierter Professor für Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung/ZKM, Karlsruhe

Mischa Kuball, wie haben sich Studium und Lehre, vielleicht gar die Kunst selbst, durch Pandemie, Lockdown und Wirtschaftskrise verändert?

Ein Kunststudium findet ja nicht am Rande der Gesellschaft statt, sondern ist Teil eines kollektiven Bildungs- und Wissensbildungsprozesses. Künstlerische Fragestellungen bilden somit auch die aktuellen Fragen in ihrer Zeit ab. Schauen wir zum Beispiel auf die Debatten in Bezug auf die Rollen von Geschlecht und Körper: Durch #metoo sicherlich exponierter in der Wahrnehmung, hat die Kunst die Diskussionen um queere Diskurse gedehnt. Ebenso hat die Black-Lives-Matter-Bewegung nach dem Polizeimord an George Floyd die Themen Herkunft, racial profiling und institutioneller Rassismus in den Fokus gerückt. So ist es auch mit dem Lockdown: Einige Künstler*innen, auch unsere Studierenden, sind in strukturelle Krisen gestürzt, eine fragile Mikroökonomie brach Mitte März zusammen: Die Balance zwischen Studium und Lebensunterhalt war nicht mehr möglich. Einige konnten aber auch intensiv an Projekten arbeiten – der Lockdown setzte dafür einen erzwungenen Rahmen. In der Lehre wurde auch sofort reagiert. Niemand sollte unbetreut zurückgelassen werden. Webbasierte Seminare wurden angeboten, einiges konnte als Präsenzlehre unter besonderen Abstands- und Hygienebedingungen stattfinden. Ich selbst traf mich mit Studierenden unter freiem Himmel im Stadtgebiet von Köln, am Kölner Dom und regelmäßig auf der Albert-Richter-Bahn in Köln-Müngersdorf – für diesen Ort entsteht eine spezifische Choreografie. Die kritische Situation bringt auch "Kreativität" hervor, aber gebremst wird der Anflug von Optimismus natürlich durch die Sorge der Nichtabwägbarkeiten in Bezug auf die wirtschaftlichen Entwicklungen. Es droht ein künstlerisches Prekariat. Auch wenn die aufgelegten Bundes- und Landes-Sonderfonds Linderung versprechen, bleibt die Bedrohung existenziell.

 

Was verrät die Corona-Krise über das Verhältnis von Kunst und Gesellschaft?

Viele sprechen von einer Scharfstellung und Vergrößerung der bestehenden Probleme. Für den Großteil der Gesellschaft sind Kunst und Kultur etwas, was man sich "leistet und gönnt", wenn es einem "gut" geht. Dabei ist kulturelle Versorgung ein Grundrecht, bildet die DNA einer demokratischen und friedlichen Form des Zusammenlebens und ist m. E. nicht verhandelbar. Das bedeutet, wir müssen die unheilvolle Dichotomie, uns Kultur nur bei guter Wirtschaftslage leisten zu wollen, hinterfragen und unser Verhältnis zur Kultur neu definieren. Kultur gehört, folgt man der Forderung der Kulturkonferenz, verbrieft ins Grundgesetz. Kulturelle Praxis ist ein Menschenrecht.

 

„Krise“ bedeutet sowohl „Gefahr“ als auch „Chance“. Welche Gefahren, ob übertrieben oder untertrieben, und welche Chancen, ob genutzt oder ungenutzt, sehen Sie in der Corona-Krise – für die Kunst und für die Gesellschaft, auf die die Kunst sich bezieht?

Diese Doppelbedeutung ist mit dem chinesischen 危机 (Weiji) verbunden – Wei steht für Gefahr – Ji für Chance.

Das steckt im deutschen „Krise“ nicht drin. Unser Begriff ist griechischen Ursprungs – κρίσις, krísis – und steht eher für Meinung und Entscheidung. Wenn wir auf "Entscheidung" setzen, gilt es zu prüfen, was wir als Gesellschaft und als Individuen wirklich wollen, was soll unsere Zukunft gestalten? Wollen wir also zurück zu einer Situation vor der Pandemie, oder wollen wir die Covid-19-bezogenen, erzwungenen "Errungenschaften" - wie z. B. eine deutlich bessere CO2-Bilanz, den Rückgang des Flugverkehrs, die Einschränkung der Reiseaktivitäten, die Digitalisierung auf vielen Ebenen, z. B. in Bildungseinrichtungen – weiterentwickeln …? Bei internationalen Projekten fließen diese Fragestellungen bei den Kurator*innen in die aktuellen Konzepte ein – d. h., künstlerische Produktion und kuratorische Praxis arbeiten bereits an "new relations" von Kunst und Gesellschaft.

Kunsthochschule für Medien Köln – ein Überblick

Kunsthochschule für Medien Köln

© Heiko Specht

Gründungsjahr

1989

Eröffnung

am 15. Oktober 1990 mit 25 Studierenden für das weiterqualifizierende Diplomstudium „Audiovisuelle Medien“; 1994 Erweiterung des Studienangebots um das grundständige Diplomstudium „Audiovisuelle Medien“; der erste Jahrgang hatte 40 Studierende; seit 2004 Promotionsprogramm; 2010 Umbenennung der beiden Diplomstudiengänge in „Mediale Künste“ und Ergänzung um den Studienschwerpunkt "Kamera/Bildgestaltung"; seit 2017/18 um den weiteren Studienschwerpunkt, "Literarisches Schreiben".

 

Als „eine Talentschmiede“, „eine Kunsthochschule neuen Typs“, als „elektronisches Bauhaus“, „Paradiesvogel“, „Experiment ohne Erfolgsgarantie“ und auch als „ungeliebtes Kind“ der Kölner Kulturlandschaft startete die Kunsthochschule 1990. Sie wurde zunächst vor allem mit der Schließung der ehemaligen Kölner Werkschulen und damit mit dem Verlust der Ausbildung in „freier Kunst“ und mit dem „Ende des gedruckten Wortes“ verbunden.
Heute gehört die KHM fest und erfolgreich zum Kanon der deutschen Kunst- wie Filmhochschulen, Ihr projektorientierter Ansatz – keine Meisterklassen, die Lehrgebiete übergreifende Betreuung durch Professoren, Diplomabschluss im grundständigen wie postgradualen Studium – bringt individualistische „Cross-over-Talente“ zwischen Kunst, Medien, Film und Wissenschaft hervor. Dem ist sie treu geblieben und darin einzigartig.

 

Kunstakademie Münster

Maik Löbbert

© Tim Löbbert

  

  

Maik Löbbert

  • seit 2001 Professur für Bildhauerei und Kunst im öffentlichen Raum an der Kunstakademie Münster
  • seit 2005 Rektor der Kunstakademie Münster

Maik Löbbert, wie haben sich Studium und Lehre, vielleicht gar die Kunst selbst, durch Pandemie, Lockdown und Wirtschaftskrise verändert?

Studium und Lehre haben sich im Sommersemester ins Digitale verlegt, insofern haben sie sich tiefgreifend, aber hoffentlich nicht dauerhaft verändert. Für die künstlerische Arbeit und die Studiopraxis war es schwierig, auf die physische Präsenz zu verzichten, Künstler*innen brauchen nun einmal – die einen mehr, die anderen vielleicht weniger – die Tuchfühlung zur Materie, zum Stofflichen. Deshalb war der Lockdown natürlich ein Hemmnis in der künstlerischen Lehre. Was die theoretische Lehre angeht, war es offenbar etwas einfacher. Die Zoom-Seminare waren sehr gut frequentiert, und wir konnten erfreut feststellen, dass wir den Studierenden auch auf diesem Weg einen regelmäßigen wissenschaftlichen Lehrbetrieb anbieten können. Auch wenn der Online-Lehrbetrieb die Präsenzlehre letztlich nicht ersetzen kann, die Lehre findet jedenfalls statt. Erkennbar verändert hat sich bislang weniger die Kunst selbst als vielmehr ihre Vermittlung, zum Beispiel in den Galerien und auf Messen. Es werden mehr Diskussionen, Künstlergespräche und sogar Ausstellungen online ausgerichtet.

 

Was verrät die Corona-Krise über das Verhältnis von Kunst und Gesellschaft?

Dass Kunst und die anderen kulturellen Sparten unverzichtbar sind! Umso schlimmer ist, dass die Protagonist*innen der Kunst jetzt auf die gesellschaftliche Öffentlichkeit so weitgehend verzichten müssen. Dies stellt sie vor ungemein große, auch ökonomische und existenzielle Herausforderungen.

 

„Krise“ bedeutet sowohl "Gefahr"  als auch "Chance". Welche Gefahren, ob übertrieben oder untertrieben, und welche Chancen, ob genutzt oder ungenutzt, sehen Sie in der Corona-Krise – für die Kunst und für die Gesellschaft, auf die die Kunst sich bezieht?

Die Gefahren dürften folgenreicher sein als die Chancen. Jede gesellschaftliche Krise wird umgehend populistisch instrumentalisiert, so auch die Pandemie. Die Akteur*innen des Kulturbetriebs sind trotz aller Soforthilfen doch weitgehend auf sich selbst verwiesen, der gesamte Kunstbetrieb läuft nurmehr sehr eingeschränkt. Die wirtschaftlichen Folgen dessen treffen viele Beteiligte sehr hart. Was die Kunst daraus macht, wird sich erst im zeitlichen Abstand zeigen.

Kunstakademie Münster – ein Überlick

Die Kunstakademie Münster ist eine Hochschule für bildende Künste im Range einer Universität mit Promotions- und Habilitationsrecht. 1971 als Institut für Kunsterzieher der staatlichen Kunstakademie Düsseldorf in Münster gegründet, wurde die Hochschule im Jahr 1987 selbstständig. Ihr Studienangebot beinhaltet den Studiengang Freie Kunst sowie Lehramts(teil)studiengänge im Fach Kunst für die drei allgemeinbildenden Schulformen.

 

Als eine Hochschule, deren Aufgaben die Ausbildung von Künstler*innen und Kunstlehrer*Innen sowie die Pflege der Künste sind, versteht sich die Kunstakademie Münster als ein weltoffener und ideologiefreier Ort der Bildung. Sie bietet ihren Studierenden und Lehrenden unabdingbaren geistigen Freiraum und Ressourcen zur Ausübung, Erforschung, Vermittlung und Weiterentwicklung der bildenden Künste. Ein von Toleranz, gegenseitigem Respekt und Wertschätzung geleiteter Umgang sowie ein offener, kritischer Dialog und Diskurs prägen die Kultur der Hochschule dabei in all ihren Bereichen.

Kunstakademie Münster

© Kunstakademie Münster

Aktuell sind an der Kunstakademie Münster ca. 360 Studierende eingeschrieben, die sich in etwa gleichmäßig auf den Studiengang Freie Kunst und die Lehramtsstudiengänge verteilen. Beide Ausbildungswege orientieren sich gleichermaßen an internationalen Maßstäben und den individuellen Bedürfnissen der angehenden Künstler*innen und Kunstlehrer*innen.

 

Mit praxisbezogenen Studiengängen, einem breit gefächerten Lehrangebot, internationalen künstlerischen und wissenschaftlichen Professuren, exzellenten Arbeitsbedingungen und der Lage in einer Stadt, die vor allem, aber nicht nur, durch die Skulptur Projekte Münster seit Langem eng mit der zeitgenössischen Kunst verbunden ist, bietet die Kunstakademie Münster optimale Studienbedingungen.