Jie Xu

Entropische Anordnung, 2019 – 2020

Installationsansichten:

Entropie, ein Spiel II(9 Teile), 2020
Öl auf Holz, 10 x 250 cm

Entropie, ein Spiel I, 2020
Öl auf Leinwand, 90 x 250 cm

please, tell the truth (6 Teile), 2019 – 2020
Öl auf Leinwand, Blattgold, 20 x 20 cm

Gemeinschaft – positiv / Gemeinschaft – negativ, 2019
Öl auf Leinwand, 115 x 70 cm

Aus der Serie „Entropische Anordnung“
Entrophie, ein Spiel I + II
please, tell the truth
Gemeinschaft – positiv / Gemeinschaft – negativ

Jie Xus Installation verwebt drei Werkgruppen heterogener Malmotive miteinander. Auf den ersten Blick scheinen die einzelnen Elemente in keiner Beziehung zueinander zu stehen. Tatsächlich folgt die Installation jedoch einem System strikter Regeln. Die Künstlerin setzt die drei Gruppen mit dem Begriff der „Entropie“ in Beziehung zueinander. Entropie wird hier als ein Maß für Unordnung, die ein System aufweist, verstanden: Je mehr Unordnung vorliegt, umso größer ist die Entropie.

 

Die erste Werkgruppe besteht aus neun gelb bemalten Fragmenten, die zusammengesetzt eine reproduzierte Wasserwaage bilden. Die Umrisse sind so auf der Wand angeordnet, dass sie die Namens-Zeichen der Malerin abbilden. Das Zeichen Xu symbolisiert den Namen der Künstlerin. Die Zerlegung der gemalten Wasserwaage (wobei eine echte Wasserwaage als Prüfgerät korrekte Werte zur horizontalen oder vertikalen Ausrichtung eines Objektes zu vermitteln verspräche) stellt im übertragenen Sinne die Wertfrage und fragt gleichzeitig ganz konkret nach dem Wertverlust der Wasserwaage. Die durch Jie Xu vorgenommene Fragmentierung der Wasserwaage deutet qua Unordnung eine immer weiter zunehmende Entropie im hier intendierten Sinne an.

 

Bei der zweiten Werkgruppe (Gemeinschaft – positiv / Gemeinschaft –negativ) lässt Jie Xu das Material bzw. das Medium Ölfarbe sprechen. Die beiden Querformate auf der rechten Seite der Installationswand zeigen zwei monochrom gehaltene Malgründe, die ganz der „Realität des Farbverlaufs“ folgen: Ölflecken, die die Ölfarben auf der Leinwand erzeugen, „vertuscht“ die Künstlerin, indem sie sie malend imitiert, wobei erneut Ölflecken entstehen, die abermals malend zu imitieren sind – eine Sisyphosarbeit, in der Materialien und Malverhalten einander einschränken. Diesen reduzierten Materialstudien stellt Jie Xu auf der linken Seite sechs Abbildungen von Philosophenköpfen gegenüber (please, tell the truth). Den antiken Skulpturen, die Vorbilder für diese Gemälde sind, fehlen die Nasen, die hier mit Blattgold ergänzt wurden. Die Bildtafeln sind flache Bildobjekte, die den Status der dreidimensionalen „Skulptur im gemalten Bild“ befragen.

 

Alle Sujets von Jie Xu kreisen um die Idee eines „brüchigen Realismus“, der in jeweils verschieden gegenständlicher Malweise durch die gesamte Wandinstallation in eine komplexe Auseinandersetzung gebracht werden soll.

 

Jie Xus Bildsysteme bilden eine Art „visuellen Text“, der in der Mitte der Wand aufgelöst wird. Dort trifft eines der gelben Wasserwaagen-Fragmente auf die ungrundierte Leinwand (Entropie I). Die Wasserwaage, aus bemalten Holzstücken geformt, liefert hier final einen Hinweis auf ihr Material: keine reale, zerschnittene Wasserwaage, sondern eine Darstellung im Trompe-l’Œil-Verfahren. Es ist das zehnte Fragment der Waage. Dieses Stück kann als eine Rückkehr der „Wasserwaage“ zum Ganzen der leeren Leinwand und zu einem leeren Malgrund gesehen werden.

 

Alles in der Malerei Jie Xus ist mit visueller Reflexion verknüpft. Die Künstlerin fragt: Was sehen wir, wenn wir „Realität“ sagen?

Vita

Rabia Caliskan

1989
geboren in Schanghai, China

 

seit 2018

Studium der Freien Kunst an der Kunstakademie Münster

Meisterschülerin von Prof. Klaus Merkel

 

2014
Auslandssemester an der Kunstakademie Münster bei Prof. Klaus Merkel

 

2012 – 2015
Studium der Ölmalerei an der Kunstakademie Schanghai, China, Abschluss: Master of Arts

 

2008 – 2012

Studium der Bildenden Kunst an der Kunstakademie Schanghai, China

Abschluss: Bachelor of Arts

 

AUSSTELLUNGEN (AUSWAHL)

2020

„MALEREI 20“, Städtische Galerie Lüdenscheid // Lüdenscheid

„Asia Pacific Art Biennial 2020“, Hong Kong Central Library // Hongkong, Sonderverwaltungszone China

 

2019
„Nominated Urban Young Artists“, Shanghai Cultural Center // Schanghai, China

 

2016

„SPLURGE! WITH SURGE POP-UP“, Red Gate Gallery // Peking, China

„Bored Stiff“, Duolun Museum of Modern Art // Schanghai, China

 

PREISE UND STIPENDIEN (AUSWAHL)

2014
Reisestipendium der Kunstakademie Schanghai // Schanghai, China

 

2011
HYX Xiangshan Art Award // Schanghai, China

 

2009 – 2010
„Xuanling“ Art Elite Stipendium // Schanghai, China

Weitere Werke

Doppelte Kunst – Wie viel hat Gozzoli bekommen? (aus der Serie „ Diptychon“), 2020
Öl auf Leinwand, 120 x 80 cm

Doppelte „Nature Morte“ – Ultramarin der Jungfrau Maria (aus der Serie „Diptychon“), 2020
Öl auf Leinwand, 120 x 80 cm