Manuel Talarico

11 12 13, 2020
Video-Performance, 11:11 min

11 12 13

Aus einer zufälligen Begebenheit – der Präsenz von Louis Armstrongs „What A Wonderful World“ im Film 12 Monkeys – und einer persönlichen Verbindung zwischen dem Lied und seinem gerade verstorbenen Vater konstruiert Manuel Talarico in seiner Video-Performance 11 12 13 ein komplexes Netz aus numerischen Zusammenhängen. In seiner 11:11-minütigen Performance trägt er eine Fülle zeichenhafter Beziehungen vor und visualisiert sie mit einem Marker auf einem Plakat, um die Komplexität und ihre frappanten Kurzschlüsse anschaulich evident werden zu lassen. Filmwelten und ihr Timecode, der Geburtstag und der Todestag des Vaters, persönliche Erinnerungen sowie historische Daten und aktuelle Ereignisse – sie alle kommen zusammen und drehen sich um die Zahlen 11, 12 und 13. Die Korrelation unverbundener Ereignisse droht immer wieder in eine augenfällige und schlüssig vorgetragene Verursachung und damit vielleicht auch in eine konspirative Orchestrierung zu kippen. Es sind zu viele Zufälle. Könnte jemand oder etwas dahinterstecken? Performativ führt Talarico die bis ins Manische gehende Sinnsuche in Zeiten des Verlusts, der Ohnmacht und der Selbstbefragung und -verortung vor.

 

Im harten Kontrast zum wuchernden Schaubild aus Zahlen und Liniengeflecht steht eine Arbeit im Außenraum: Der Schriftzug „together we were special“ überzieht die Grünfläche vor der Akademie. Die gewaltigen Buchstaben aus Kreide müssen mühsam abgeschritten werden, um die Worte zu begreifen, die trotz ihres eher privaten Inhalts in ihrer Großzügigkeit an die ganze Welt gerichtet zu sein scheinen. Der Ausspruch ist ein empathisches Bekenntnis und – vor dem Hintergrund der Performance – zugleich ein verklärender Abschluss einer Sinnsuche.

Till Julian Huss

Vita

1981
geboren in Rheda-Wiedenbrück

 

2020 – 2021
Meisterschüler von Professor Daniele Buetti an der Kunstakademie Münster

 

2007 – 2020
Studium der Freien Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf bei Professor Daniele Buetti; Abschluss: Diplom

 

seit 2013
Promotionsstudium Evolution und Verhalten an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster

 

2006 – 2008
Studium der Biologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster; Abschluss: M.Sc.

 

2005 – 2006
Studium der Zoologie an der University of Cambridge, Großbritannien; Abschluss: M.Phil.

 

AUSSTELLUNGEN (AUSWAHL)

2020
„together we were really special“, Kunstakademie Münster // Münster

 

2019
„why!“, Wewerka Pavillon // Münster

 

2015
„drinking a drink, sinking a ship“, LIAN Contemporary // Schanghai, China

 

2012
„fête des wiener“, Hilger Brotkunsthalle // Wien, Österreich

 

2011
„KunststudentInnen stellen aus“, Bundeskunsthalle // Bonn

 

PREISE UND STIPENDIEN (AUSWAHL)

2021
Stipendium Transit – Recherche und Produktionsplattform, Mobile Akademie und Netzwerk-Initiative Cheers for Fears // Mülheim an der Ruhr

 

2005
Cambridge European Trust-Stipendium // Cambridge, Großbritannien

 

2004 – 2007
Stipendium Studienstiftung des Deutschen Volkes // Münster und Cambridge, Großbritannien

Weitere Werke

Glitch, 2009 – 2010
HD-Video abgefilmt auf Super 8, digitalisiert, Ausgabe in 640 x 468,
0:37 min, Zunge so weit herausstrecken, wie geht, in jede Richtung.

Red and Blue, 2021
Video mit Ton, 1280 x 720, 00:30 min
Meine Performance kontrolliert die Technologie, oder umgekehrt?

Together we were really special (II), 2020
Kreideschrift, ca. 5500 x 1500 cm; © Fotos: Ilsuk Lee

ai! ai! ai!, 2011, mit Stephanie Sczepanek
zwei Esel, Make-up, zwei Ställe (3300 x 3300 x 2000 cm), Weidezäune, Misthaufen
Fünf Wochen waren wir Hüter, Pfleger, Freunde der zwei weißen Eseldamen Meika und Sissi. In der Zeit wohnten wir mit den Tieren im Ausstellungsraum; Fotodokumentation

vimeo.com/510808943